Beim Edel-Edeka: Duftpilze und Stinkfrüchte

Besonders mag ich in Supermärkten die Obst und Gemüseabteilung. Kommt ja immer gleich am Anfang. Zwar findet man dort nie duftende Steinpilze oder sieben Sorten Kartoffeln, wie auf einem richtigen Markt. Aber für Freunde exotischer Süd- und Tropenfrüchte gibt es dort stets etwas Neues. Vorausgesetzt man geht nicht zum Penny um die Ecke, sondern in einen Premium Supermarkt.

Da mir nach bunten, wilden Früchten ist, völlig neu und voller Vitamine, mit einer sonderbaren Anmutung, die nicht den geringsten Hinweis auf oben und unten gibt, geschweige denn, wie und ob wie man das Teil vernünftigerweise schält – daher führt mich mein Weg zu Edeka Niemerszein im Pöseldorf Center. Dieser Edeka ist alles andere als ein Stinknormaler Edeka: Gegenüber eine Edelboutique und eine Parfümerie, alles ist 50 Cent teurer als normal. Man wäre nicht überrascht, wenn Victoria und David Beckham ihren Einkaufswagen durch die Gänge schieben würden.

Es  beginnt mit einer vier Meter langen Salatbar. Dann kommen Weidenkörbchen mit Vanilleschoten, es gibt ein Kühlfach mit geschnittenen und abgepackten Obstsalaten und dann türmt sich eine Wand aus Südfrüchten vor mir auf.

Alle sind sie da: Flugmango, Passionsfrüchte, Mirabellen. Chilenische Physalis, Spanische Kumquats, sizilianische Orangen. Die Sternfrucht, die Drachenfrucht und sogar die Stinkfrucht.

Alles toll, kenn ich aber alles schon irgendwoher (bis auf die Stinkfrucht, aber nach der ist mir heute nicht.) Schließlich sehe ich neben den Maracujas ein tennisballgroßes orangenes Teil, das aussieht, wie: genau, eine Orange. Ist aber viel leichter stelle ich fest, so als wäre es hohl. Eine Grenadilla, sagt das Schild. Ich schaue mich um, weil ich jemanden fragen will, wie man diese Grenadilla isst.  Aber um mich herum sind nur 50-Jährigen verbraucht aussehende Frauen, und Schüler die nach grüner Fritz Cola dürsten.  Kein Verkäufer. Wehmütig denke ich daran zurück wie ich einst mit meiner Mutter bei Edeka war und der Verkäufer, der meine Mutter natürlich namentlich anredete, uns erklärte, wie man eine Kiwi isst. „Sie teilen sie in der Mitte mit dem Messer und löffeln sie.“ Das habe ich auch Ewigkeiten so gemacht. Aber richtig Spaß an Kiwis habe ich erst, seitdem ich irgendwann aus einer TV Kochshow erfuhr, dass man Kiwis auch schälen und schneiden kann.

Wieder Zuhause mache ich es mit der Grenadilla so wie einst mit der Kiwi: Ich  schneide erst in der Mitte und löffle dann. Erst fällt die extreme Schleimigkeit auf. Dann aber breitet sich überraschend nuancierte ein süß-saures Aroma im Mund aus. Erinnert an Haribo Saure Gurken. Oder vielleicht das Langnese Eis Cuja Mara Split: Nach längerem Nachsinnen fällt mir auf, dass die Grenadilla von Innen auf jeden Fall so aus sieht wie eine Maracuja und der Geschmack ist im Grunde auch der gleiche, nur nicht ganz so sauer.

Auf jeden Fall sind die crunchigen Kerne nicht schlecht, ein deutlicher Pluspunkt gegenüber Kiwis. Nach zwei Löffeln bin ich auch schon mit der ersten Hälfte fertig und stell den Rest lieber mal in den Kühlschrank.

Muss man nicht jeden Tag haben, und bitte nie zum Frühstück. Aber wenn ich mal wieder bei Niemerszien in der Gegend bin, könnte es wohl passieren, dass ich da noch mal 1,99 Euro in so ein Früchtchen investiere.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s