PINTEREST

In der Netzwirtschaft der FAZ gibts heute einen Artikel über Pinterest: Die Foto-Plattform gilt derzeit als das nächste ganz heiße Ding im Social Web. Nun aber gibt‘s Schwierigkeiten. Die User pinnen nämlich Bilder, ohne sich dabei groß um das Urheberrecht zu scheren

Pinterest bietet daher nun ein Programm an, dass es Seiten mit urheberrechtlich geschütztem Material erlaubt, die Bilder für Pinterest unbrauchbar zu machen. Blöd für Pinterest, dass Flickr und Yahoo sofort davon Gebrauch gemacht haben. Nun lassen sich Flickr und yahoo Bilder nicht mehr pinnen, jedenfalls nicht wenn sie urheberrechtlich geschützt sind. Das könnte ein ziemlicher Setback für Pinterest werden, so die FAZ.

Was ich an Pinterest derzeit so interessant finde: Natürlich wird die Plattform oft mit Facebook verglichen. Nicht, weil sie eine ähnliche Funktion hat, sondern weil nun einmal jeder neue Shooting Star irgendwie an fbk gemessen wird. Und ich finde Pinterest macht eine deutliche Schwäche der Zuckerberg-Plattform so richtig deutlich. Pinterest sieht nämlich richtig gut aus, was die Hässlichkeit von fbk umso augenscheinlicher macht. fbk-Design war schon immer eher form follows function. Aber wenn ich das jetzt noch einmal neben Pinterest (oder auch zum Beispiel neben der ähnlichen Plattform thefancy.com) halte, wird es offensichtlich, wie unansehnlich Facebook ist.

Was vielleicht daran liegt, dass Mark Zuckerberg ein Kapuzenpulli-Nerd ist, der sich um Aussehen nicht so sehr kümmert. Die Chronik bzw. Timeline bietet mitterweile sicher ein paar Möglichkeiten, mehr aus der Seite zu machen. Aber die normale Newsfeed Ansicht, mit den immer aufdringlicher werdenden Anzeigen ist wirklich nicht schön.

Interessant dagegen, wenn man sich Pinterest Gründer Evan Sharp daneben anschaut: Sorgfältig getrimmter Drei Tage Bart, Designer Brille, weißes Hemd, schwarzes Anzug. Wahrscheinlich ist Sharp ein Nerd, aber einer mit Sinn für Stil, jedenfalls mit mehr davon als Mark Zuckerberg.

Gelesen: Christian Stöcker – Nerd Attack

Übernehmen die Nerds die Macht? Die deutsche Ausgabe von Wired titelte jedenfalls: „Gebt Deutschland den Geeks – sonst will’s ja keiner“. Tatsächlich kommen Geeks und Nerds immer dichter an die Schalthebel von Politik und Wirtschaft: Die Piratenpartei hat nach Berlin gute Chancen, weitere Parlamente zu entern. Und in der Wirtschaft sind Google, Facebook, Apple & Co schon lange mehr wert, als Autobauer oder Maschinenhersteller.

Kurz: der nerd – mit Brille oder ohne – hat den Durchblick.

Das Buch zur Spezies kommt von Spiegel Online Redakteur Stöcker (bei Spon leitet Stöcker das hochgelobte Ressort Netzwelt)

Stöcker, Jahrgang 1973, ist mit C64 aufgewachsen, hat die Schülerzeitung damals noch auf dem furchtbar sperrigen Rechner seiner Eltern produziert. In den 90er Jahren hat er sich Musik bei Napster besorgt. Und anders als viele Journalisten-Kollegen kennt er Ego-Shooter wie Doom aus erster Hand.

Mit Nerd Attack! ist ihm eine  kenntnisreiche und kurzweilige Kulturgeschichte der Digitalisierung unserer Gesellschaft gelungen.

Aufhänger sind seine persönlichen Erfahrungen, bei denen er sich aber nie lange aufhält.

Ich fand das Buch überaus lesenswert: Erstens verdeutlicht das Buch, wie schwer man sich in Deutschland mit der Digitalisierung tut. Computer wurden in den 80er und 90er Jahren von den Entscheidern in Politik und Wirtschaft als Teufelszeug angesehen bzw. einfach ignoriert. Interessant, dass vor allem die Grünen, sich so schwer taten, Rechner an ihren Arbeitsplätzen zuzulassen. Die gegenwärtigen Geburtswehen der Grünen um eine Haltung zur Netzpolitik ist das Erbe dieser alten Ängste .

Aber nicht nur die Grünen tun und taten sich schwer mit Bits und Bytes – auch alle andere Parteien haben den Trend zur Digitalisierung gründlich verpennt. Zuerst die Kohl-Regierung, später Rot-Grün.

In Deutschland gab es keinen Al Gore, der sich, wie Stöcker beschreibt, bereits in den 90ern den Information-Highway erobern wollte.

Es ist Stöcker dabei hoch anzurechnen, dass er Fakten und Stories in den Vordergrund stellt. Stöcker hat zwar eine klare Meinung, ist dabei aber viel gemäßigter als viele Blogger, die hinterher schon immer alles besser gewusst haben und alles Gedruckte für (im doppelten Sinne) gestrig halten.

Stöcker ist gewissermaßen Realo-Nerd, sofern es das gibt.

Zweitens lohnt sich die Lektüre, weil deutlich wird, dass das was wir heute für selbstverständlich nehmen vor ein paar Jahren keineswegs selbstverständlich war:  Amazon, Itunes, Piratenpartei, etc. prägen unseren Alltag heute.Twitter und Facebook spielen bei der Arabellion eine maßgebliche Rolle – niemand hätte sich eine solche Rolle von digitalen Medien vor 20 Jahren auch nur im Entferntesten vorstellen können. Damals dachte man bei „Zukunft“  an fliegende Autos oder wenigstens an sprechende Kühlschränken. Wer vergessen hat, wie Zukunftsvisionen in den 80ern aussahen, der kann sich ja Back to the Future 2 mal wieder ansehen. Der Film war für die damaligen Nerds ein Must-See (wenngleich nicht so ein Must-See wie der von Stöcker erwähnte War-Games, aber dennoch die damals gültige Zukunftsvision).

Schließlich ist es ein großes Verdienst des Buches, dass es eine Brücke bildet zwischen Nerds und Nicht-nerds: Denn Nerds neigen dazu, auf die digital ungebildeten Schichten – die in Deutschland deutlich in der Mehrheit sind, und aus denen sich die derzeitigen Entscheider mehrheitlich rekrutieren – herabzuschauen. Stöcker hat da keinerlei Berührungsängste oder Dünkel. Mit Nerd Attack! hat er ein gelungenes Buch für Nerds und nicht-Nerds geschrieben.

Christian Stöcker: Nerd Attack!: Eine Geschichte der digitalen Welt vom C64 bis zu Twitter und Facebook – Ein SPIEGEL-Buch. 14,99

Wo bleibt der CEO-Blog?

Heute ein ganz besonderes Tierchen im Zoo der Blogs: Der CEO- Blog.

Blog und CEO – das könnte eine marriage made in heaven sein. Denn der Vorstand eines Unternehmens sollte doch jemand sein, der nicht nur in seinem Unternehmen etwas zu sagen hat. Sondern davon auch was erzählen könnte. Was geht ab in der Branche, wie wird sein Unternehmen mit der Wirtschaftskrise fertig, was gabs zum Frühstück, etc.

Blogs sind ihrem Wesen nach subjektiv und schnell. Perfektes Forum für einen CEO sich als meinungsstark zu profilieren und als Markebotschafter für sein Unternehmen zu wirken. Weiterlesen