Brot und Wortspiele in der kleinen Konditorei

Die kleine konditorei ist wieder da, und zwar so richtig. Mit vier Läden, alle bei mir in der Nachbarschaft.

Als Freund guter Brötchen konnte es einem in den letzten Jahrzehnten Angst und Bange werden. Zuerst kamen diese Bäckereien à la Kamps. Deren Macher hatten festgestellt, dass man mit Brot richtig Geld verdienen kann. Landauf, landab buken sie die gleichen Backwaren. Nicht so richtig schlecht, aber weit davon entfernt richtig gut zu sein. Die Produktionkosten gegenüber dem normalen Bäcker um die Ecke, der sein Handwerk versteht, haben diese Ketten schätzungsweise halbiert. Folge: Bei den kleinen Um-die-Ecke-Bäcker gingen die Öfen aus.

Es blieben die „Kamps“, „HanseJungens“ und „Dat Backhus“. Zum festen Repertoire dieser Ketten gehört die Maschine, mit der Backduft auf die Straße gepustet wird. Dabei wird in diesen Ketten natürlich allenfalls aufgebacken, was vorher in Ungarn oder sonstwo in Fabriken hergestellt wurde.

Dann kamen die Backdicounter und nahmen ihrerseits Kamps & Co. und die Mangel. Die „Brötchen“ und das „Brot“ (man muss es in Anführungszeichen setzen) waren nochmal ein bisschen billiger, und man musste man sich selbst bedienen. Seit ca. 3 Jahren haben nun auch Aldi und Lidl auf frisch gemachte Backwaren, bzw „Backwaren“ in den Regalen.

Der kleine Bäcker um die Ecke ist längst verschwunden, jedenfalls aus den Großstädten. Ausnahmen findet man meines Wissens immer noch in Ostdeutschland – und eben in Hamburg-Eimsbüttel bei der kleinen konditorei. Bis vor ein paar Monaten hatte diese zwei Filialen. Bei beiden gab es jeden Morgen Schlangen bis auf die Straße. Dann brannte eine der Filialen und damit auch eine der Backstuben ab.

Fortan mussten die Eimsbüttler mit nur einer kleinen konditorei leben, mit noch längeren Schlangen und mit eingeschränktem Sortiment. Nun aber sind sie wieder da. Zur Eröffnung werben sie mit Wortspielen wie „Für Sie gehen wir sogar durchs Feuer“ oder „Diese konditorei lässt sich nicht klein kriegen“.

Gleich vier Filialen haben sie eröffnet. Bislang auch dort bei allen Schlangen, wenn auch nicht mehr ganz so lang. Wenn sich am Sonntagmorgen auf der Straße zwei fremde Menschen begegnen, die beide eine der charakteristischen blauen Tüten unterm Arm haben, grüßt man sich. Gutes Brot verbindet.

Besonders erfreulich: Es gibt in der Nähe der kleinen Konditorei gibt es nur einen Backdiscounter und keinen einzigen Kamps. Der Backdiscounter verkauft meines Wissens vor allem Bildzeitungen.

PS: 30. August 2012: Nicht zu fassen, jetzt hat es da schon wieder gebrannt!

 

 

 

 

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