KRAFT, KOCKS, GABRIEL

Drei Personen des öffentlichen Lebens sind mir in letzter Zeit besonders durch ihre Social Media Aktivitäten aufgefallen. Hannelore Kraft, Sigmar Gabriel und Klaus Kocks. Die drei nutzen soziale Medien auf unterschiedliche Weise, mit unterschiedlichem Erfolg und unterschiedlich clever.

Ladies first: Hannelore Kraft twittert seit dem 20. März, also ziemlich genau seit Beginn des Wahlkampfs NRW.

Der erste Tweet lautete: „Tag beginnt um 5:30 mit 1,5 h Sport Ausdauer- und Aufbautraining. Anschließend Frühstück mit meiner Mutter. Dann Abfahrt nach Düsseldorf.“

Der zweite Tweet las sich so: „Habe jetzt Hunger. Kurzes Mittagessen. Danach Pressestatement und Kabinett.“

Wenn Hannelore Kraft eigenhändig in die Tasten haut, unterzeichnet sie mit HK, ansonsten steht TK – für Team Kraft dahinter. Manchmal ist man sich nicht einig, wer getwittert  hat  – wie zum Beispiel der Tweet vom 30. März um 4.17 Uhr „Zitat“, dann steht kein Kürzel dahinter.

Frau Kraft protokolliert in erster Linie ihren Arbeitstag. Mitunter gibt sie auch eine Meinung zur Tagespolitik von sich, aber das steht im Hintergrund. Man mag das als belanglos abtun, aber mir gefällt, dass sie nicht tut als sei Twitter eine Laser-Wunder-Kanone, mit der sie Obama-mäßig den Pott aufmischen wird. Sie macht aus Twitter nicht mehr als einen Kurznachrichtendienst. Und in ihren Tweets macht sie auch nicht mehr als eine NRW-Ministerpräsidentin im Wahlkampf. Reicht ja beides.

Natürlich könnte sie auch einfach ihren Terminkalender auf ihre Webseite stellen. Aber den würde sich kaum einer anschauen, wohingegen sie bei Twitter 3.500 Follower hat.

Ganz anders Sigmar Gabriel. Gabriel betreibt eine Facebook-Fanseite mit mehr als 10.000 Fans. Diesen nutzt er seltener als Kraft ihren Twitter Account, aber er ist schon ziemlich rege. Hauptaktivität: Sich selbst loben und den politischen Gegner als ahnunglos beschimpfen .

Seine Postings lesen sich zum Beispiel so:

„blablabla  unfassbar, dass der CDU- Bundesfinanzminister Schäuble „Verständnis“ für die Schweizer Behörden äußert blablabla….“

oder so

„blablabla Die Sozialdemokratie ist bereit, den Fiskalpakt so zu gestalten, dass er wirksam wird. blablabla….“

oder so

„Blablabla nach dem Ausstiegsbeschluss scheint die Merkel-Koalition ihre Arbeit eingestellt zu haben blablabla….“

Natürlich gab es auch den berühmten „Israel = Apartheits-Regime“ Kommentar. Aber dass es Gabriel über Facebook  in die Tagesschau schafft, ist die Ausnahme.

Okay, man kann Gabriels Postings natürlich auch gut finden. Das Hauptproblem besteht meiner Ansicht nach darin, dass Facebook ein Dialogmedium ist. Hier sollen die Fans und Freunde Frage stellen, eine Diskussion soll in Gang kommen, die Beziehung zwischen Kunde und Marke am köcheln gehalten werden.

Kommentare bei Facebook sehen blöd aus, wenn keiner auf sie reagiert. Da sich aber sehr häufig entweder Parteifreunde mit Schulterklopfen oder aber politsche Gegner mit „Wie-blöd- ist-der denn?!“ zu Wort melden, sind die „Diskussionen“ in den Kommentarspalten in der Regel bestenfalls belustigend, im Grunde aber ein Hinweis darauf, dass Facebook nicht das Format für eine sachliche politische Diskussion ist. Nicht selten eskalieren die Diskussionen wie bei einem Justin Biber Clip auf Youtube. Dort hauen sich Justin-Fans und Justin-Hasser regelmäßig verbal die Köpfe ein.

Außerdem: Gabriel „gefallen“ ausschließlich Seiten der SPD – entweder von einzelnen Politikern, oder Landesverbänden. (Sogar bei Andrea Nahles hat er „Gefällt mir geklickt, haha). Schade. Wenn er nicht-politische Seiten liken würden – seien es Hannover 96, Udo Lindenberg oder Sahnetorte – wäre er deutlich interessanter.

Vielleicht darf man die Seite auch so verstehen, dass ein künftiger Kanzlerkanditat vor allem auf Fehler-Vermeidung bedacht ist.

Und dann ist da noch Klaus Kocks. Kein Politiker, sondern Kommunikationsberater. Um eine pointierte Meinung zum politischen Zeitgeschehen nie verlegen. Interessant, dass Klaus Kocks auf Facebook kein Fan von Sigmar Gabriel ist, obwohl sie im wahren Leben Freunde sind.

Kocks erweist sich auf Facebook als wahre Laberbacke. Nein, das muss ich zurück nehmen. Kocks gibt zwar viel von sich und das oft. Mehrmals am Tag. Aber immer interessant und gehaltvoll. „Eloquent“ passt also viel besser als „Laberbacke“. Sorry.

Kocks meldet sich mit Aufsätzen, langen Kommentaren zu Schlecker, Wulff, Piraten, Grass etc. Dazu kommen Gedichte (nicht selbstgeschrieben), Reisenotizen, Leseempfehlungen, Fotos aus Bars, Tipps zu Kulinarik und Uhrenkauf. Als Kommunikationsberater hat man offenbar zu allem eine Meinung. Und viel Zeit für Facebook.

Seine beste Zeit hat KK Sonntag morgens ab fünf Uhr. Nicht mal am Ostersonntagmorgen vor Sonnenaufgang konnte er das Posten lassen. Und während Sigmar Gabriel  Kommentare einfach laufen lässt, diskutiert KK dort immer kräftig mit, antwortet, klickt gefällt mir.

Vielleicht leidet Kocks an Schlafstörungen. Vielleicht ist er facebooksüchtig. Vielleicht auch ein vierzig Jahre zu früh geborener Digital Native, der automatisch alles postet, was er denkt und tut.

Auf jeden Fall ist bemerkenswert, dass KK offenbar Tag und Nacht bei Facebook rumhängt. Ich will daher einfach mal die These aufstellen,  dass KK seinen Account nicht selber pflegt.  Es scheint mir wahrscheinlich, dass er ein paar Mitarbeiter posten lässt. Alles andere wäre einfach Quatsch: KK hat weniger als 4000 FBK Freunde. Wenn er in einer Talkshow auftritt – was er ständig tut – erreicht er mehrere Millionen Menschen. Da wird er sich bei FBK nicht für ein paar Zerquetschte abrackern.

Wahrscheinlich  nutzt er Facebook zur Persönlichkeitserweiterung. Facebook als Forum, um seine Bildungsbürger Seite  zu zeigen. Sehr her, ich kann auch Latein! Und zitiere Schiller! Nicht, dass der Krawallmacher aus Maischberger alleine in der Öffentlichkeit steht.

Ist nicht dumm, auf jeden Fall besser als Sigmar Gabriel, der nur den digitalen Aufguss des Talkshow-Gabriel gibt.

Am besten aber gefällt mir Hannelore Kraft mit ihrer unbekümmerten Art.

PS.: 9 Mai 2012: Den Twitter Account vom künftigen Kanzler finde ich tatsächlich gut, ganz außerordentlich sogar!

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2 Gedanken zu “KRAFT, KOCKS, GABRIEL

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