Anshus Army an der Macht

"The Deutsche" von Georg Meck

Die Deutsche Bank steht unter medialem Dauerfeuer: Exzessive Boni, Zins-Manipulation, Kirch-Prozess, Wetten auf Nahrungsmittel – ständig werden neue Vorwürfe gegen das Geldhaus laut. Dass „Der Spiegel“ im vergangenen Jahr gleich zwei kritische Titelgeschichten über das Unternehmen brachte, spricht Bände. F.A.S.-Redakteur Georg Meck ist ein spannendes Porträt der Deutschen Bank gelungen.

Seit Juni 2012 stehen mit Anshu Jain und Jürgen Fitschen zwei Co-Chefs an der Spitze des Hause und treten das Erbe von Josef Ackermann an. Seitdem sehen viele Beobachter Deutschlands größtes Bankhaus erst Recht auf dem Weg zur „Zocker AG“. Georg Meck, Wirtschaftsredakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und langjähriger Kenner der Bank, zieht in „The Deutsche“ eine Bilanz der ersten 100 Tage der neuen Regentschaft. Seinen Blick richtet der Autor dabei ganz auf den Inder Anshu Jain. Denn der, so konstatiert Meck mit Blick auf die Hausmacht der zwei Co-Chefs, sei der eigentliche Chef im Ring. Gut möglich, dass er 2015 sogar alleiniger Boss wird. Dann läuft Fitschens Vertrag aus. Und „Anshus Army“ – die zum großen Teil aus aus Jains Londoner Investement-Banker-Connection besteht – hätte freie Bahn.

Glaubhafter Kulturwandel?

Anshu Jain selbst wird nicht müde, öffentlich den „Kulturwandel“ der Bank zu verkünden. Die Zockerjahre seien vorbei, betont Jain. Die Exzesse im Investmentbanking sollen ein Ende haben. Jain gibt sich als von der Bankenkrise geläutert. Aber kann man dem ehemaligen Chef der Investmentbanker wirklich glauben, wenn er radikale Schnitte verspricht? Oder hat der Wolf nur reichlich Kreide gefressen? Meck ist skeptisch.

Dabei will der Autor keine billigen Punkte gegen „Boni-Banker“ machen. Im Gegenteil, er beschreibt Jain als hochintelligenten Ausnahmebanker, der gewiss nicht von Gier getrieben wird. Gleichzeitig meldet er aber Zweifel an der Ernsthaftigkeit von Jains Kulturwandel an. Und fügt die Puzzleteile zusammen, die dafür sprechen, dass das Investmentbanking weiter die herausragende Rolle spielen soll. Dafür spricht übrigens nicht nur Jains Vita, sondern auch die Historie des Hauses: Wie Meck nachzeichnet, waren bereits die Vorgänger, ob sie nun Ackermann, Breuer, Kopper oder Herrhausen hießen, von der Wichtigkeit eines starken Investmentzweiges überzeugt.

Die Kommunikation

Auch die Rolle der Kommunikatoren beleuchtet das Buch. Die hatten alle Hände voll zu tun, als Jain als Co-Chef bereits designiert war, Josef Ackermann aber noch im Chefsessel saß. Ackermann hatte vergeblich versucht, Jain als Chef zu verhindern. Dementsprechend war er wenig bemüht, seinem Nachfolger einen gelungenen Ramp-Start zu ermöglichen. Und so kam es in der Übergangszeit zu wahren Schlammschlachten: Jains geheime Personalpläne wurden an die Medien durchgestochen, was zu Schlagzeilen wie „Söldnertruppe aus London erobert Deutsche Bank“ führte. Jain wiederum engagierte eine PR-Agentur, die an seinem Image feilen sollte und dabei de facto gegen den noch amtierenden Sprecher der Bank – einen Ackermann-Getreuen – arbeitete.

The Deutsche ist ein exzellent geschriebenes, kenntnisreiches Unternehmensporträt, das mit vielen Insider-Details punktet. Kleines Manko: Dass Meck sich fast ganz auf Jain konzentriert und Jürgen Fitschen wenig Beachtung schenkt, war möglicherweise vorschnell: Gegen Jain haben sich mittlerweile laut Zeitungsberichten erhebliche Widerstände innerhalb der Bank formiert. Ob seine Hausmacht wirklich so groß ist, wie Meck meint, scheint fraglich und Fitschen wirkt keineswegs abgemeldet. Dennoch: Ein kurzweiliges, lehreiches Wirtschaftsbuch.

The Deutsche – Investmentbanker an der Macht: Wohin geht die Deutsche Bank? Georg Meck, 2012, Campus Verlag, 206 Seiten, 17,99 €

ZUERST ERSCHIENEN IM PR REPORT

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