GELESEN: „UNTERNEHMENSBLOGS“ VON MEIKE LEOPOLD

"Unternehmens-Blogs" von Meike Leopold
Unternehmens-Blogs wie das von Daimler, Frosta oder Vodafone sind mittlerweile etablierte Kanäle der Unternehmenskommunikation. Offenbar verlieren immer mehr deutsche Unternehmen die Scheu vor diesem Tool. Schließlich bietet das Firmen-Blog publizistische Unabhängigkeit und liefert außerdem Stoff für weitere Social Media Kanäle. Autorin Meike Leopold bietet eine fundierte Anleitung zum Erstellen und zur Pflege von Corporate-Blogs. Blogs sind für Unternehmen aus vielen Gründen interessant: Sie laden zum Dialog ein, sind kostengünstig und man hat den redaktionellen Inhalt selbst in der Hand. Außerdem geben sie Mitarbeitern eine authentische Möglichkeit, das Unternehmen zu repräsentieren. Zuständigkeit klärenAuch wenn deutsche Unternehmen Blogs längst als festen Punkt auf der Agenda haben, gibt es bei diesem neuen Medium naturgemäß viele Unsicherheiten: Liegt die Verantwortlichkeit bei IT oder Unternehmenskommunikation? Braucht man eine Agentur oder können das vielleicht die Azubis?
Was sagt die Rechtsabteilung und ist der Vorstandsvorsitzende nicht eigentlich ein E-Mail-Ausdrucker, der nichts von digitaler Kommunikation hält?Meike Leopold legt mit ihrem Buch eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Implementierung und Pflege von Unternehmens-Blogs vor. Leopold räumt dabei etwaige Bedenken aus dem Weg und argumentiert für den Nutzen dieses Mediums. Ein Blog sollte aus der Mitte des Unternehmens kommen, also von Mitarbeitern aus möglichst vielen Abteilungen gepflegt werden. Planung ist dabei das A&O. Wenn Blogs nach einem halben Jahr wieder einschlafen, dann oft weil vor der Live-Schaltung nicht ausreichend geplant wurde. Zur Planung gehören:
  • die Einbindung möglichst vieler Abteilungen, auf jeden Fall der Chefetage, Personalabteilung und Betriebsrats.
  • die Auswahl des richtigen Content Management Systems. Leopold favorisiert WordPress, auch wenn die IT-Spezialisten im Unternehmen sich mit einem Open-Source Programm auf dem Firmen-Server schwer tun könnten.
  • Die Inhalte sollte man natürlich ebenfalls detailliert planen; die Autorin gibt Tipps für die Pflege eines Redaktionsplans und für kreative Themenfindung.

Und wie motiviert man die Kollegen beim Blog mitzumachen? Am besten durch Vorbilder. Daher sollte man zu Beginn experimentierfreudige Kollegen ins Boot holen und schauen, wer zum Beispiel selbst ein Webseite betreibt. Wenn außerdem noch die Chefs bloggen, ist das ein Signal, das auch skeptische Kollegen motiviert.

Nicht ungeprüft freischalten

Für die Freigabe der Beiträge empfiehlt Leopold das Vier-Augen-Prinzip: Ein anderer Blogger aus dem Kernteam sollte den Artikel freigegeben. Zwar müsse man darauf achten, dass keine unpassenden Informationen über Kunden oder Wettbewerber im Netz erscheinen. Die Gefahr ist jedoch gering – jedenfalls ist der Autorin bei den von ihr gepflegten Unternehmens-Blogs ein solcher Fall nicht passiert.

Ein Kapitel widmet sich dem Shitstorm. Die berechtigte Angst vorm Netz-Zorn steht heute der Realisierung vieler Blogs entgegen. Meike Leopold argumentiert überzeugend, dass gerade Blogs gute Chancen bieten, einen Shitstorm heil zu überstehen: In der Krise ist ein Blog eine geeignete Plattform für Online-Kommunikation. So könne sich das Blog in einen Krisenticker verwandeln, auf dem auch die Unternehmensleitung agiert, meint die Autorin. Außerdem: Nur wer selbst einen Blog betreibt, kommuniziert auf Augenhöhe mit anderen Bloggern.

Der wichtigste Faktor fürs erfolgreiche Bloggen ist jedoch die Zeit: Ein erfolgreicher Corporate-Blog braucht einen langen Atem. Während man mit einer Unternehmens-Facebook-Seite nach drei Tagen mehrere Tausend Fans haben kann, braucht ein Blog erheblich länger, um zum Erfolg zu reifen und die kritische Masse an Lesern zu erreichen. Denn der Erfolg eines Blogs misst sich neben der Klickzahl auch an den Kommentaren und an den Diskussionen, die er anstößt. Dafür braucht es neben guten, originellen Inhalten einige Monate aktiven Bloggens. Der Erfolg, den die in Deutschland etablierten Unternehmens-Blogs haben, zeigt, dass Ausdauer sich lohnen kann.

Wer beruflich mit Unternehmens-Blogs zu tun hat, für den ist das Buch von Meike Leopold wegen seines hohen Praxiswerts ein Standardwerk. Neulingen auf dem Gebiet, bietet es eine fundierte Einführung, aber auch erfahrende Blogger finden dort viele Anregungen.

Rezension: Ansgar Vaut

Unternehmens-Blogs: Praxishandbuch für Aufbau, Strategie und Inhalte. Meike Leopold, 2012. Addison-Wesley Verlag, 320 Seiten, 24,95 €

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