ZEIT-Seeing: Der neue Hamburg Teil der ZEIT

Zeit Hamburg

Gibt’s jetzt endlich auch als Selfie: Die neue ZEIT Hamburg

Die ZEIT wird von heute an wöchentlich mit einem Hamburg-Teil erscheinen. In der ersten Ausgabe sind der Hansestadt 14 Seiten gewidmet, fortan sollen es dann acht Seiten sein. 

Eine große Sache für den Bucerius Verlag und nicht ganz unbedeutend auch für die Stadt. Und daher gab es zur Begrüßung, quasi als Big Bang, eine Lange Nacht der ZEIT . 22 Veranstaltungen in 14 Hamburger Locations, zu denen es laut Verlag 10.000 Anmeldungen gab. Die „Nacht“ war zwar eher ein Abend und endete deutlich vor Mitternacht. Aber das ändert nichts daran, dass alle Veranstaltungen sehr spannend wirkten. Leben heißt bekanntlich aussuchen und ich suchte mir von den vielen Veranstaltungen auf die ich gern gegangen wäre die Neuauflage des Literarischen Quartett in den Kammerspielen aus.

Iris Radis, Ulrich Greiner, Rainer Moritz und Ijoma Mangold stellten neue Bücher vor, unter anderem das Tagebuch von Fritz J. Raddatz. Raddatz ist bekanntlich ein Ex-ZEIT-Mann, was für eine Superkonstellation sorgte, da Greiner, Radisch und Mangold alle in dem Buch vorkommen. Sie haben aber genau so klug und ausgewogen analysiert, wie man es eben von der ZEIT erwartet. 

Warum eigentlich ein HH-Teil der ZEIT? Es herrscht dank Abendblatt, Mopo, Bild, taz, Welt und NDR nun wirklich kein Mangel an Lokalberichterstattung von und an der Elbe. Aber wie Giovanni di Lorenzo im Editorial zum HH-Teil schreibt: Dieses Stück Zeitung soll für die Hamburger sein, „die nicht ständig vorgetrötet bekommen müssen, dass sie in einer der schönsten Städte der Welt leben.“ Was mich daran erinnert, dass die BILD- Zeitung oben auf ihren Hamburg-Seiten immer stehen hatte (und möglicherweise noch stehen hat): „Guten Morgen, schönste Stadt der Welt“. Ein Getröte, das mir stets anbiedernd vorkam und auf den Keks ging. Insofern fühle ich mich von der neuen ZEIT schon mal sehr angesprochen.

Was liest man auf 14 Seiten Hamburg-ZEIT? Im Grunde ist es so etwas wie eine Zeit-Mini. Es gibt einen Politik-Teil (Zwei Ex-Bürgermeister machen sich Sorgen um die Stadt, sehr lesenswert), ein Feuilleton (Moritz von Uslar trifft den „Anführer“ Jan Delay), einen Wissensteil (Interview mit einer Hebamme. Und obgleich ich Ihre Meinung, dass Männer im Kreißsaal während der Geburt nichts verloren haben, nicht teile: Die Headline „Ottensen wird immer schlimmer“ ist nach den tausenden von „Guten Morgen, schönste Stadt der Welt“ wie ein wahres Labsal), einen Wirtschaftsteil (Interview mit dem Geschäftsführer der Hamburger Agentur Elbdudler. Dort entscheiden die Mitarbeiter selbst, wie viel sie verdienen. Er selbst bekommt 6.000 Euro monatlich).

Die ZEIT schafft es derzeit bekanntlich die Auflage stetig zu steigern und daher ist der neue Hamburg-Teil sicher auch trotz der allgemeinen Print-Krise konsequent. Der Verlag will mit dem neuen HH-Teil künftig 5.000 Exemplare mehr verkaufen.

Journalistisch zeigt man am Speersort damit einmal mehr, wie es geht: Den Leser ernst nehmen, exzellenten Journalismus machen, sich Alarmismus verkneifen. Und dann das Blatt ( bzw. die App Version) verkaufen, anstatt sich ausschließlich über Paywall, Facebook und Twitter den Kopf zu zerbrechen (ohne das komplett links liegen zu lassen: Zur neuen Hamburg ZEIT gibt‘s einen Hasthag: #zeithh).

Käme die ZEIT nicht ausgerechnet aus Hamburg könnte man sagen, dass das Blatt der FC Bayern unter den Print Medien ist. Und Giovanni di Lorenzo der Pep Guardiola unter den Chefredakteuren, wobei er vermutlich einen Tick entspannter ist. Möglich, dass der HSV am Ende der Saison absteigt. Die ZEIT bleibt erstklassig. 

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