„Es gibt sie jetzt doppelt, die guten Dinge“

Ist biber nichts weiter als ein billiger Manufactum Abklatsch?

Es gibt sie noch, die Manufactum-Kataloge. Nur dass es in diesem Fall ein biber Katalog ist.

Es gibt sie noch, die Manufactum-Kataloge. Nur, dass es in diesem Fall ein biber Katalog ist.

Was flattert mir da am Mittwoch vor Ostern als Beilage der ZEIT ins Haus? Ein Prospekt des Versandhauses biber. biber verkauft Haushaltsgegenstände im weiteren Sinne: Sonnenschirme, Schubkarren, Weinfässer usw.

Aber auch Lebensmittel wie zum Beispiel 30 Jahre altes Balsamico für 155 Euro. Baumkuchen für 29,50. Oder wie Schuhe aus Hanf oder Barfuss-Schuhe. Nicht billig, dafür aber – so Biber: qualitativ hochwertig, langlebig und nachhaltig produziert.

Der Prospekt hat mich gleich fasziniert: Er mutet sonderbar verschwurbelt an, denn die Bilder sind klein und oft kann man die Produkte gerade mal so erahnen. Dafür sind die Texte sehr ausführlich und fabulieren in erdiger Prosa von Haltbarkeit, Qualität und bleibenden Werten, wie man sie im Baumarkt einfach nicht findet.

Ich dachte nun erstens: Passt sicher alles zu den ZEIT-Lesern und im Grunde finde ich die Teile selbst gut – nur leider ein wenig teuer. Obwohl die Barfuss-Schuhe wirklich interessant sind…

Aus Freude an diesem doch sehr speziellen Prospekt blättere ich weiter und lese mehr. Und auf einmal kommt mir die Prosa, die Bildsprache, das Grün des Logos so verdammt bekannt vor, ich hatte geradezu ein Déjàvu: Das sieht ja so aus wie Manufactum!!

Der Versandhändler Manufactum, der mit dem Claim „Es gibt sie noch, die guten Dinge“ wirbt, macht ja auch einen auf Qualität und Haltbarkeit! Seit ein paar Jahren gehört Manufactum zum Otto Konzern und ich frage mich, ob man das dort so sieht, dass sie von biber ganz dreist nachgeäfft werden.

Aber vielleicht bildete ich mir die Ähnlichkeit nur ein? Das hielt ich für möglich – bis ich das Editorial von biber-Geschäftsführer Christoph Intemann lese. Christoph Intemann schreibt: „Es gibt sie noch immer, die guten Dinge“ Fantastisch, wie ungeniert biber beim Vorbild abschreibt! Traut sich sicher nicht jeder.

Nun können „Me-too“ Geschäftsideen natürlich sehr erfolgreich sein. Sie sind es meist dann, wenn sie es schaffen, günstiger als das Vorbild zu produzieren und zu verkaufen. Und biber scheint mir im Schnitt tatsächlich billiger als Manufactum. Allerdings fände ich es ausgesprochen bizarr, wenn das ausgerechnet bei einer Zielgruppe funktioniert, die auf Qualität so viel Wert legt und nicht freiwillig „Made in China“ kauft.

Es kommt selten vor, dass die ZEIT mich ratlos macht – mit diesem biber Katalog ist es der Hamburger Wochenzeitung gründlich gelungen.

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