Kerstin Bund: Glück schlägt Geld

Kerstin Bund: Glück schlägt Geld. Erschienen im Murmann Verlag

Kerstin Bund: Glück schlägt Geld. Erschienen im Murmann Verlag

Wenn es der Generation der zwischen 1980 und 1995 Geborenen an einem nicht mangelt – dann sind es Schubladen: Millenials werden sie genannt, Nexters oder Digital Natives. Als Generation Praktikum bezeichnet man sie, als Trophy Kids oder Generation Facebook.

Die oberste und in der aktuellen Diskussion beliebteste Schublade heißt Generation Y. Dass das Kind so viele Namen trägt, zeigt bereits, wie groß das Interesse ist. Und so befassen sich aktuell zahlreiche Artikel und Bücher mit der dieser Generation. Ein bekanntes Recruiting-Video der Axel-Springer AGbringt das Anspruchsdenken dieser Generation auf den Punkt: Ein smarter Ypsiloner wirbelt ohne Respekt vor den Anzugträgern durch die Vorstandsetage und gibt die Parole „Content is King“ aus. Das Video zeigt die positive Seite der Generation Y.

Auf der anderen Seite gelten die Ypsiloner bei Arbeitgebern aber als anspruchsvoll, verwöhnt, verweichlicht. Chefs verzweifeln an Nachwuchskräften, die alles auf einmal wollen und das bitte sofort. Die Generation Y will sich selbst verwirklichen, Sinn in der Arbeit finden und lässt sich nicht einen starren Joballtag zwängen. Das Einstiegsgehalt sollte aber trotzdem stimmen.

Ob man die Generation Y nun so oder so sieht, eines lässt sich mit Gewissheit sagen: Die Jungen bilden in einem immer älter werdenden Deutschland die Minderheit. Es wachsen weniger Arbeitskräfte nach, als Arbeitnehmer in den kommenden Jahre in Rente gehen. Der jetzt schon spürbare Mangel an Ingenieuren, IT-Spezialisten und Chemikern wird sich noch zuspitzen. Auch die Kommunikationsbranche dürfte den Nachwuchsmangel zu spüren bekommen. Die Demographie hat den Ypsilonern also gute Karten für Jobverhandlungen mit auf den Weg gegeben.

Generationen-Selbstportrait

Ein beachtenswerter Debattenbeitrag in Buchform kommt nun von Kerstin Bund, Wirtschaftsredakteurin bei der „Zeit“. Die Autorin ist Jahrgang 1982 und damit selbst Generation Y. Für die „Zeit“ hat sie mehrfach über ihre Generation und deren Ansprüche an die Arbeitswelt geschrieben. Mit „Glück schlägt Geld“ vertieft sie das Thema – und vermeidet dabei Schubladen. Natürlich, schreibt sie, sind nicht alle zwischen 1980 und 1995 geborenen prototypische Ypsiloner. Aber auch die 68er machten nur einen Bruchteil ihrer Altersgruppe aus. Dennoch spiegelt sich in ihnen am deutlichsten die Erfahrungswelt der Zeit wider.

Kerstin Bund charakterisiert die Generation Y als eine Generation, die extrem behütet aufgewachsen ist, sich vernetzt und die es gewohnt ist, zu bekommen, was sie will. Diese Generation, so Kerstin Bund, gibt wenig auf Autoritäten und will anders leben, anders arbeiten, anders sein.

Ihre Analyse untermauert sie gründlich mit Studien, Statistiken und Zahlen. Wer einen Überblick über den Stand der Forschung zur Generation Y sucht, findet ihn hier. Allerdings: Im Vorwort beklagt Kerstin Bund, es würde „immer nur von außen auf meine Altersgruppe“ geschaut. Dem will sie den Blick „von innen“ entgegenhalten. Dieser Blick „von innen“ kommt aber zwischen den diversen Statistiken arg kurz. Wir erfahren zwar einige persönliche Dinge über die Autorin; aber ein reportagiger Frontbericht einer Ypsilonerin sähe anders aus. Der Großteil des Buches könnte auch aus der Feder eines Fünfzigjähriger stammen.

Zudem driftet die Autorin in Allgemeinplätze ab, wenn sie das (vermeintliche) Lebensgefühl der Generation Y beschreibt: „Der Puls der Zeit ist schneller geworden, die Verhältnisse können sich jederzeit ändern“, heißt es etwa und wird in ähnlichen Formulierungen diverse Male wiederholt. Mag sein, denkt man als Leser – aber prägt dieses Gefühl nicht praktisch jede heranwachsende Generation? Schon Bob Dylan wusste: „The times they are a-changing“. Für das Gefühl, dass alles immer schneller wird, braucht es kein dauervibrierendes Smartphone. Faustkeil, Pferdekutsche oder Mondrakete dürften bei den jeweiligen Generationen ebenso für das Gefühl gesorgt haben, an der Spitze eines rasenden, bislang unvorstellbaren Fortschritts zu stehen.

Was tun BASF, Siemens etc. für Familien?

Weiterhin fragt man sich, ob nicht so manche Eigenschaft, welche die Autorin der Generation Y als originär zuschreibt, längst etabliert ist: So steht mit Sicherheit außer Frage, dass wir gegenwärtig eine geradezu erdrutschartige Veränderung der Wirtschaft und damit verbunden der Arbeitswelt erleben. Dass man berufliche E-Mails am Abend vom heimischen Sofa aus beantwortet und dass der klassische Nine-to-Five Job mit Präsenzpflicht im Büro auf dem Rückzug ist, sind noch die geringsten Symptome dieser Umwälzung. Die Arbeitswelt wird offener für alle möglichen Modelle, seien es nun Jobsharing, Teilzeitarbeit, Home-Office, Sabbaticals etc. Den Vertretern der Generation Y mag diese stärkere Flexibilisierung der Arbeitswelt gefallen – aber ganz sicher ist die Generation nicht der große Treiber dieser Entwicklung. Auch an anderer Stelle scheint Kerstin Bund den Einfluss ihrer Generation zu überschätzen: So hat die Autorin recherchiert, wie große deutsche Unternehmen (Siemens, BASF, Daimler etc.) verstärkt Angebote für die Betreuung der Mitarbeiterkinder anbieten.

Nun kommt dieses Angebot sicher den Bedürfnissen der Generation Y nach Vereinbarkeit von Beruf und Familie entgegen – aber der Wunsch nach Vereinbarkeit von beidem ist gewiss keine Erfindung der Generation Y. Und die Investition der Unternehmen in die Kinderbetreuung dürfte auch eher dem Umstand geschuldet sein, dass der Einversorgerhaushalt als Familienmodell ausgedient hat.

So leidet die Argumentation des Buches, trotz des vielen guten Materials, immer wieder daran, dass eine Front aufgemacht wird zwischen der Generation Y, die (vermeintlich) alles neu und besser machen wird, und der älteren Generation, die sich (vermeintlich) an Nine-to-Five Job und Bausparvertrag klammert.

Schlichtweg ärgerlich sind die diversen Wiederholungen: Die Generation Y wird in fast jedem der 14 Kapitel aufs Neue charakterisiert, ohne dass weitere Aspekte hinzukommen. Stattdessen tritt die Autorin argumentativ auf der Stelle. Tatsächlich wirkt gerade im hinteren Teil des Buches mancher Abschnitt wie mit Copy & Paste verfasst – unnötig! Insgesamt bietet das Buch gegenüber den lesenswerten Artikeln in der ZEIT wenig Neues und sicher kein gelungenes Generationen-Selfie. Das Aktenzeichen „Generation Y“ bleibt nach der Lektüre ungelöst.

Glück schlägt Geld. Kerstin Bund 2014. Murmann Verlag, 200 Seiten, 19,99 Euro.

Zuerst erschienen im PR REPORT

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Als würde man von Angelina Jolie geküsst: Senseo Kaffeekapseln

Verdammt heiß: Senseo Capsules Kaffee

Verdammt heiß: Senseo Capsules Kaffee

Über die Jahre habe ich eine ganze Reihe von Kaffeemaschinen ausprobiert und in meinen Küchenschränken angesammelt: Eine French Press von Bodum, einen Porzellanfilter, eine Kaffee-Pad Maschine, eine Maschine, bei der ich vergessen habe, wie man sie bedient. 

Mein Favorit ist in letzter Zeit jedoch meine Moka Express von Bialetti. Damit lässt sich sehr guter Espresso machen und wenn der Dampf aus der Maschine zischt, verströmt es ein wenig römisches Ars Vivendi auf meinem Eimsbüttler Balkon. Mamma Mia, that‘s Amore.  

Nun aber hat die gute alte Bialetti Konkurrenz bekommen. Nicht nur, weil sie erste ganz dezente Rostflecken und Dellen aufweist. Sondern weil meine Neugierde auf Kaffee aus der Kapsel einfach zu groß geworden ist. Ich hatte schon hier und da bei Freunden Kapselkaffee getrunken und fand ihn zumindest nie schlechter als mein Eigengebräu. Die Maschinen sind preislich halbwegs moderat. Weiterlesen

Gummis und Beeren

Ich gebe zu: Bei Süßwaren aus dem Bioladen bin ich skeptisch bis zur Voreingenommenheit. In der Regel wird bei diesen Süßwaren auf biologischen Anbau und und Kompostierbarkeit geachtet, auf Öko-Verpackung, auf faire Bezahlung der Arbeiter, auf nachwachsende Rohstoffe sowie auf sämtliche EU Öko-Zertifikate.

Wenn man auf all das achtet, dann kann man schon vergessen, dass das Zeug vor allem schmecken soll.

Das neue „Regenwald Kaugummi“ Chicza ist ein Beispiel dafür. Name und Verpackung machen einen auf Indiostamm, Regenwald und Maya-Geheimniss – und ich will netterweise sogar glauben, dass die Chiczas aus Südamerika stammen. Und nicht, dass Name und Verpackung eine Masche von Marketeers aus Baden-Württemberg sind. Weiterlesen

Wortsalat vom Wiesenzwerg

Mepfel von Zwergenwiese

Mepfel von Zwergenwiese

Mepfel. Kokolim. Sendi. Nein, das sind nicht die aktuellen Trend-Kindernamen aus Hollywood. Sondern neue Brotaufstriche der Marke Zwergenwiese. Diese Brotaufstriche sind eine wahre Fundgrube für Fans origineller Produktnamen: „Mepfel“ steht für Meerrettich mit Apfel. „Kokolim“ für Kokos mit Limette und „Sendi“ für Senf mit Dill. Es gibt insgesamt 12 Sorten, die man hier bestaunen kann. Eignet sich auch als Ratespiel am Frühstückstisch.

Originelle Produktnamen haben ja Konjunktur: Weiterlesen

Dasselbe in Grün? Coke gibt’s bald gesüßt mit Stevia.

Im Herbst soll es in Deutschland eine kleine Revolution geben. Dann wird es hier grüne Coca-Cola zu kaufen geben. Coca-Cola Life soll sie heißen. Die Flasche bzw. Dose wird grün statt rot sein.

„Grün“ ist die Cola, weil sie mit Stevia gesüßt ist. Genauer gesagt: Die Cola hat etwa ein Drittel weniger Zucker, stattdessen dann eben Stevia. Damit reagiert Coca-Cola auf die zunehmende Kritik an dem sehr hohen Zuckergehalt des Getränks.

Mich erinnert das zuerst einmal an den Relaunch von Pepsi vor ca. 20 Jahren – damals wurde Pepsi plötzlich blau, statt rot. Dazu gab es eine riesige Werbekampagne, obgleich sich das Produkt gar nicht ändert – nur die Farbe.

Nun also grüne Coke. Da kann man sich schon fragen, ob die Chefs in Atlanta die Symbolik der Farbe Grün verstanden haben. Grün steht für Natur, Natürlichkeit, meinetwegen auch für Nachhaltigkeit. Aber für Gesundheit? Passt nicht. Weiterlesen