Gelesen: „Think Content!“ von Miriam Löffler

Think Content! von Miriam Löffler
Think Content! von Miriam Löffler ist das Standardwerk zum Thema Content Marketing

„Content“ ist das Schlagwort der Stunde. Spätestens seit Felix Baumgartners Sprung aus luftigen Höhen und der brillanten Vermarktung durch Red Bull setzen Unternehmen auf eigenen Content. Und zwar solchen, der nicht nach platter Werbung riecht. Ob es nun ein Mega-Event wie das Stratos-Projekt ist, oder eine Nummer kleiner: Information, Unterhaltung und kompetente Beratung gewinnen an Bedeutung.

Neu ist die Idee vom „König Content“ im Web dabei keineswegs. So machte sich Bill Gates bereits Mitte der 90er Jahre in einem „Content is King“ überschriebenen Essay Gedanken darüber, was Menschen am Bildschirm lesen möchten. Und kam zu dem Schluss, dass Content im Netz stets brandaktuell und exzellent sein muss und den Usern auch eigenes Engagement abverlangen darf. Eigentlich keine Riesenüberraschung. Dennoch wurden Inhalte fürs Web lange stiefmütterlich behandelt und auch heute hat sich die Erkenntnis, „Content is King“ noch nicht überall durchgesetzt.

Miriam Löffler gibt in ihrem Buch „Think Content!“ eine Schritt-für-Schritt Anleitung, für die Erstellung guter Inhalte. Jenseits aller Hypes argumentiert sie mit Leidenschaft und Sachverstand für Content. Das Buch ist mit mehr als 600 Seiten ein dickes Brett, aber die Lektüre lohnt sich. Denn umfassender kann man sich zurzeit mit keinem anderen deutschen Buch zu diesem wichtigen Thema schlau machen.


Content Strategie

Untergliedert ist das Buch in drei Teile. Im ersten Teil stellt die Autorin dar, wie man eine Content-Strategie systematisch entwickelt. Sie insistiert dabei nachdrücklich auf die Entwicklung einer Strategie, bevor es an die konkrete Umsetzung geht. Bei der Planung kommt es weniger auf die eine brillante Idee, sondern auf zahlreiche Fleißaufgaben an: Wie führt man ein sinnvolles Audit der bestehenden Webseite durch?Wie kalkuliert man Kosten realistisch? Welche Prozesse muss man implementieren, um einem Unternehmen hochwertigen Content zu entlocken? Diese Fragen beantwortet die Autorin, ohne den Web-Laien zu überfordern oder den erfahrenen Online-Fuchs zu langweilen. Auch Detailfragen wie die, unter welchen Voraussetzungen man ein Konzept für eine Webseite besser in Excel oder in Word erstellt, beantwortet sie.

Ein häufig gemachter Fehler bei der Planung von Webseiten, so die Autorin, sei es zudem, zuerst ein schickes Design zu entwerfen und den Inhalt dann irgendwie hinein zu quetschen. Dann aber stellt man häufig fest, dass das Korsett nicht zu den Inhalten passen will. Daher ihr Credo: Content first. Design Second. Erst alle Inhalte der Webseite festzurren, dann das Design drum herum bauen. Deutlich wird hier auch, dass man bei Content tunlichst nicht in einzelnen Flights oder Kampagnen denkt, sondern dass es um langfristige Kommunikationsstrategien geht und um den Aufbau einer positiven Online-Reputation.

Content Marketing

Im zweiten Teil geht es konkret um die Erstellung von hochklassigem Content: Wie ermittelt man die Zielgruppe? Welche Formate (Podcast, Video, Webinare, Newsletter, Whitepaper usw.) sind geeignet? Wie kommt man auf Ideen, wie sehen gute Geschichten aus? Außerdem werden diverse Best Cases vorgestellt. Darunter natürlich Red Bull und Coca-Cola, aber auch Beispiele für mittlere und kleine Budgets, sowie für B2B und E-Commerce-Aktionen. Diese Unterteilung ist besonders sinnvoll, da erfolgreiches Content Marketing eben nicht an hohe Budgets geknüpft ist, sondern von der richtigen Ansprache der Zielgruppe lebt.

Im zweiten Teil findet sich außerdem eine glasklare Abhandlung zum Thema SEO: Seitdem Google seinen Such-Algorithmus im Jahre 2010 erneuert hat („Panda-Update“) wirkt sich die Qualität einer Webseite deutlich aufs Ranking aus. Künstlich hochgetriebene Keyworddichte oder die massenhafte Verlinkung von Pseudoseiten nützen seitdem kaum etwas. Das Panda-Update hat damit den Siegeszug von Content Marketing befeuert: Da Google nun auch die Qualität beurteilt, kommt es auf Inhalte an, die User bei der Stange halten. Das setzt aber den Content-Verantwortlichen ein gutes Verständnis für Suchmaschinen und SEO voraus.

Webtexten

In die SEO-Kerbe schlägt auch der dritte Teil des Buches: Natürlich, so die Autorin, muss ein Webtexter über „eine gute Schreibe“ verfügen und die üblichen Texterregeln (kein Nominalstil, aktive Formulierungen, keine Schachtelsätze etc.) verinnerlicht haben. Aber das reicht fürs Web nicht. Wichtig sind auch SEO-Kenntnisse und die Bereitschaft entsprechend zu schreiben. Löffler spricht von „hybriden Textern“, die die richtigen Key-Wörter ermitteln und diese passend platzieren können. Schließlich werden im dritten Teil des Buchs einige kostenfreie Tools empfohlen, mit denen sich Keyworddichte oder die allgemeine SEO-Tauglichkeit eines Textes ohne besonderes technisches Vorwissen ermitteln lässt.

Insgesamt: Think Content! ist ein ausgezeichnetes Lehrbuch, von dem alle profitieren, die in irgendeiner Form mit Web-Content zu tun haben. Dass die Autorin auch bei technischen Themen wie SEO stets verständlich bleibt ohne oberflächlich zu werden, kann man ihr kaum hoch genug anrechnen. Ein Standardwerk!

Think Content! Miriam Löffler. 2014. Galileo Computing. 627 Seiten. 29,90 Euro.

Zuerst erschienen im PR Report

 

 

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