Dave Eggers: The Circle

 

Lese gerade „The Circle“ von Dave Eggers. Eine der heißesten Neuerscheinungen des Jahres, wurde rauf und runter besprochen und ist in der Spiegel Bestseller-Liste schon auf Platz 1.

Ich lese das Buch auf meinem iPad, was sich in diesem Fall ein wenig komisch anfühlt – denn schließlich steht das Tech-Unternehmen The Circle für Apple, Google, Facebook und Co. Und diese Unternehmen kommen als totalitäre Horror-Unternehmen rüber, die sich Regierungen gefügig machen und die Menschheit überwachen. Natürlich immer mit den besten Absichten. Wenn der Circle zum Beispiel Kindern Tracking Chips einpflanzt, dann mit der guten Intention, Entführungen zu verhindern. Was auch gelingt. Allerdings bleiben die Kinder auch als Erwachsene auf ewig trackbar, da der Chip nicht mehr herausgenommen wird.

Die Nähe zu Google wird schon durch den Namen „Circle“ deutlich. Und die drei Chefs des „Cirle“ – genannt „the Three Wiseman“ sind erkennbare Abbilder von Larry Page Sergey Brin  und Eric Schmidt.

Die Protagonistin, die neu beim Circle zu arbeiten anfängt und sich langsam aber sicher in diesem Netz verheddert, heißt Mae Holland.

„The Circle“ ist mit einer bahnbrechenden Idee groß geworden: Der Gründer hat TrueYou erfunden. Das bedeutet im Wesentlichen: One Account, One Identity, One Password.

Was sich wunderbar anhört (jedenfalls für alle, die wie ich von ihren 173 verschiedenen Passwörtern in den verschienden Netzwerken, Online Shops etc. genervt sind). erweist sich schnell als Game-Changer im Internet, Denn nun agiert man ausschließlich mit Klarnamen im Netz (was nebenbei das Ende aller Trolle bedeutete).

Das Buch wird häufig mit einem epochalen Roman verglichen – und zwar nicht mit Katja Kesslers „Silicon Wahnsinn“ – obgleich beide Geschichten im Silicon Valley spielen und beide Romane eine junge Frau als Protagonistin haben. Nein, es wird vielmehr der Vergleich zu „1984“ von George Orwell gezogen . Bei 1984 war der Protagonist allerdings – wenn ich mich richtig erinnere – von Beginn an gegen den Großen Bruders, während Mae im Circle von Beginn an ein großer Fan des Systems ist und das Totalitäre des Circle sogar noch weiter vorantreibt .

Nun ist George Orwells Dystopie nicht eingetreten. Big Brother ist heute nichts als eine dümmliche TV-Sendung, aber sicher kein Kamera-Überwachungsstaat.

Ich bin etwa halb durch mit dem Buch, bin aber so fasziniert wie lange nicht mehr von einem Roman. Großartige Zeitdiagnose, ein brillanter Blick auf den Preis, den wir für die kostenlosen Angebote von Google und Co zahlen.

Das Buch wird mich nicht zum Google/Apple/Facebook-Skeptiker machen. Aber es leuchtet die dunklen Seiten dieser Unternehmen grell & genial aus.

Wer noch wissen will, was Iris Radisch von der ZEIT zu dem Buch sagt, klickt hier:

Iris Radisch über Dave Eggers Der Circle

 

Update 28.8.

Auch lesenswert in dem Zusammenhang: Sascha Lobo nimmt „The Circle“ in seiner Spon-Kolumne zum Anlass etwas über die undifferenzierte Dämonisierung der Digitalkonzerne schreiben

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2 Gedanken zu “Dave Eggers: The Circle

  1. Hallo Ann, mir hats bis zum Schluss sehr gut gefallen. Sogar der allerletzte Satz enthält ja noch eine Pointe, wenngleich eine düstere. Ich habe auch deinen Beitrag dazu gelesen. Und ich natürlich hast du Recht, dass Mae kein wahnsinnig komplexer Charakter ist. Aber die Figuren sind dennoch vollkommen frei von Klischees und gerade die Veränderung von Mae von gut zu böse fand ich sehr spannend!

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