Für mehr Klarheit im Kopf: Mal wieder ein gutes Linguistik-Buch lesen!

Politisches Framing Cover

Für mehr Klarheit im Kopf:Elisabeth Wehling: Politisches Framing.

Meine Studenten-Zeit ist schon ein paar Jahre her. Was ich seitdem gelegentlich etwas vermisse: Zeit und Energie zu haben, um mal ein kluges, wissenschaftliches Buch aufzuschlagen.

Aber dafür fehlt mir am Ende des Durchschnittstages  meist die geistige Aufnahmebereitschaft. Dann doch lieber gleich „Orange is the new Black“.

Welch Glück, dass alle Jubeljahre mal eine Autorin vorbei kommt, die beides ist: Akademisch und sehr lesbar. Jedenfalls wurde mir kürzlich das Buch „Politisches Framing“ von Elisabeth Wehling in die Hand gedrückt. Es hat schon mal nicht allzu viel Text, das war für mich eine gute Motivation war das Buch wenigstens mal aufzuschlagen.

Auf einmal fällt’s mir wieder ein: Ich hatte ja mal Linguistik studiert!

Das Thema kam mir vage aus meinem Linguistik-Studium bekannt vor: Es geht um die Metaphern, mit denen wir die Welt strukturieren. Hier in erster Linie die Welt der Politik.

Politisches Framing

Metaphern und Frames

  • Kurz verdeutlicht: Die Politik befasst sich ganz überwiegend mit sehr abstrakten Themen. Diese werden in Metaphern ausgedrückt. Beziehungsweise in „Frames“, sprachlichen Rahmen. Ein Beispiel: Der EU-Rettungsschirm.  Der Schirm ist eine Metapher für etwas sehr abstraktes. Bildet damit aber gleich einen Rahmen, in dem wir das Abstrakte wahrnehmen. Metaphern (oder Frames) durchziehen aber unsere gesamte Sprache. Beispiel: Wenn ich sage „Ich begreife das nicht“, dann ist dieses „begreifen“ offenbar schon eine Metapher.

Okay, ich gebe zu: der letzte Absatz war kaum zu verstehen. Wer das Thema um einiges klarer erklärt haben will, muss es eben direkt bei Elisabeth Wehling nachlesen.

Wenn das Thema zu schwer wird, macht es die Autorin dem Leser leicht.

Sehr sympathisch übrigens an Buch und Autorin: Wenn es sehr schwierig wird, dann wird es dem Leser einfach gemacht. Dann heißt es in etwa: „Das verstehst du zwar vermutlich nicht, lieber Leser, aber glaub es mir einfach mal.“

Ich glaub es. Und lese weiter.

Am Ende der knapp 200 Seiten fühlt man sich irgendwie geistig auf ein höheres Level gehoben. Nicht so sehr, weil das Thema spannend ist. Sondern viel mehr, weil die Autorin das Thema mit so einer beeindruckenden geistigen Klarheit behandelt. Hat man ja viel zu selten.

Reicher & Geiler

Jeremy Gutsche Schneller und Besser BuchDer Titel dieses Buches ist schon mal ziemlich platt: „Schneller & Besser“ – das hört sich an, wie die jüngste Service-Kampagne der Deutschen Bahn oder eine LIDL-„Qualitätsoffensive“.

Wobei man ja weiß, wie solche „Kampagnen“ und „Offensiven“ ausgehen – sie versanden im Nirgendwo.

Jeremy Gutsche schreibt für Leute, die auch Tim Ferriss (4. Stunden Woche) lesen oder Ryan Holiday  („Growth Hacker Marketing“) oder Neil Strauss („The Game“)

Siegessicher, aber unter Bullshit-Verdacht

Autoren, die für ein Online-geprägtes, junges, eher männliches Publikum schreiben. Leser, die mit 17 vom eigenen Start-up träumen, nicht von der eigenen Punk-Band. Sie schreiben unterhaltsam und siegessicher, stehen dabei aber auch immer unter Bullshit-Verdacht.

Letztes Jahr hatte ich ein sehr kurzweiliges Buch von Gutsche gelesen, das mit gut gefiel: Zündstoff war anders als das übliche Wirtschaftsbuch. Und mit vielen Bilder exzellent aufgemacht.

„Schneller & Besser“ ist so etwas wie die Extended Version von Zündstoff. Es gibt keine Bilder, dafür aber vier mal so viel Text. Und Fremdwörter wie „Konvergenz“, „Divergenz“ und „Zyklizität“.

Hört sich jetzt vielleicht nach viel Theorie an. Tatsächlich aber ist das Buch voller     Praxis-Beispiele.  Es strotzt nur so vor Praxis – und genau das ist das Problem. Weiterlesen

Gelesen: „Alles nur geklaut“

Erfolgreiche PR lebt von Kreativität. Jeder, der länger im Geschäft ist,

Austin Kleon Alles nur geklaut

„Alles nur geklaut“ von Austin Kleon. Sehr kreativer Kreativ-Ratgeber!

wird seine Methoden gefunden haben, um auf gute Ideen zu kommen.

Für den Fall, dass die Gold-Idee doch mal auf sich warten lässt, ist Austin Kleons „Alles nur geklaut“ der richtige Ratgeber. Kleon hat zehn einfache Regeln aufgestellt, mit denen man im Arbeitsalltag Platz schafft für frische Gedanken. So beschreibt er unter anderem, wie man seinen Schreibtisch und seine Finanzen organisieren kann. Vor allem aber sagt er: „Das Beste ist geklaut“.

Optisch auf jeder Seite ein Hingucker, nimmt man das Büchlein immer wieder gern zur Hand, wenn der Geistesblitz gerade mal auf sich warten lässt.

Alles nur geklaut: 10 Wege zum kreativen Durchbruch

Austin Kleon. 2013. Mosaik Verlag, 160 Seiten, 8,00 Euro, ISBN 978-3442392568

Zuerst erschienen im PR Report

Alles nur geklaut Innen

Jede Seite ein Hingucker – Alles nur geklaut von Innen.

Gelesen: Brand New. Was starke Marken heute wirklich brauchen. Von Jon Christoph Berndt und Sven Henkel.

Gutes Buch zum Thema Marke!

Gutes Buch zum Thema Marke!

Das ist mal ein durchweg amüsantes Buch! Mit Jon Christoph Berndt und Sven Henkel durchleuchten ein Berater und ein Wissenschaftler das Thema Markenführung. Die beiden dabei verbinden Witz und Weisheit, wie man es sonst nur von amerikanischen Autoren kennt. „Marke ist das, was man hinter Ihrem Rücken über Sie erzählt“, heißt es, und: „Starke Marken erkennt man daran, dass man sie erkennt.“ Lässig im Ton, aber immer originell und reich an Beispielen, philosophieren die Autoren auf 200 Seiten über die Erfolgsgeheimnisse und Fehler von Coke, Tempo, Apple, Snickers, McDonalds, Maggi, Knorr, Cresta oder auch Jürgen Klopp, der ja selbst längst zur Marke avanciert ist. Weiterlesen

Gelesen: David Scott und Team Bibel

Wen es interessiert: Ich habe das Bild mit der App Camera plus bearbeitet. Die App kostet 2,99 Euro und ist ihr Geld wert!

Wen es interessiert: Ich habe das Bild mit der App Camera plus bearbeitet. Die App kostet 2,99 Euro und ist ihr Geld wert!

David Scott: Die neuen Marketing- und PR-Regeln im Social Web

mitp Verlag. 480 Seiten, 24,99 Euro. 2014

David Scott gehört in den USA zu den bekanntesten Online-Marketing Experten. Sein Buch zeigt, wie man mit wenig Etat die virale Mund-zu-Mund-Propaganda im Social Web befeuert. Für Kenner der Materie gibt es hier wenig Neues. Wer aber seine ersten Gehversuche im Web 2.0 unternimmt, findet eine klasse Einführung in Themen wie Corporate Blogs, SEO, Apps, Newsletter, Netzwerke usw. Das Buch ist dabei sehr locker im Ton und betont die Chancen, die das Web für den Verkauf bieten. Weiterlesen

Gelesen: Operation Shitstorm. Berufsgeheimnisse eines professionellen Medien-Manipulators. Von Ryan Holiday

Operation Shitstorm von Ryan Holiday

Operation Shitstorm von Ryan Holiday

Geht es um die Verbreitung von News im Social-Media-Zeitalter, wird gern dieses Zitat eines unbekannten Amerikaners angeführt: „Wenn eine Nachricht wirklich wichtig ist, dann wird sie mich finden“. Dieser Spruch spiegelt eine der großen Verheißungen des digitalen Lebens wider: Bei der Auswahl von Nachrichten dient nicht mehr ein Journalist, sondern das soziale Netzwerk als Gatekeeper. Im eigenen Newsfeed würde man nur noch die für einen relevanten Nachrichten finden. Die Schwarmintelligenz soll alles Banale abfischen, bevor man seine Zeit damit verschwendet.

Eine schöne Idee – nur leider völlig falsch. Das jedenfalls behauptet Ryan Holiday in Operation Shitstorm. Berufsgeheimnisse eines professionellen Medien-Manipulators.

Soziale Medien, so Holiday, hätten keineswegs dazu geführt, dass uns nur noch die wirklich wichtigen Nachrichten erreichen. Sondern dazu, dass wir mehr als je zuvor einem Getöse aus zur Sensation aufgepumpten Banalitäten ausgesetzt sind.

Ryan Holiday, Jahrgang 1987, ist als Marketing-Direktor für American Apparel bekannt geworden. Für das Modelabel und dessen umstrittenen Gründer Dov Charney hat Holiday schrille Kampagnen inszeniert. Dabei war er war überaus kreativ, wenn es galt, hinter den Kulissen die Strippen zu ziehen: Seine Methode bestand häufig darin, zunächst kleinere Blogs zu bearbeiten, weil sich Meldungen dort am leichtesten platzieren lassen. An diese Blogs schickte er – gern auch von einer falschen  Mailadresse – vermeintliche Enthüllungen oder pseudo-geleakte Bilder von Foto-Shootings. Wurde diese Meldungen erst einmal aufgegriffen, sorgte Holiday selbst für die weitere Verbreitung in größeren Medien. So jagte er die Meldung die Nachrichtenleiter Sprosse für Sprosse hoch zu den größeren Blogs und zu weiteren Medien. Bis sie schließlich in den bundesweiten Abendnachrichten angelangt war. Weiterlesen

Imperium der Kokosnuss

Vor ein paar Jahren gab es ein kleines Literaturskandälchen um Christian Krachts Buch Imperium.

In dem Roman geht es um einen sympathisch-durchgeknallten Deutschen, der Anfang des 20. Jahrhunderts in der Südsee eine Kokovoren-Kolonie gründen will. Kokovore, das sind Leute, die sich ausschließlich von Kokosnüssen ernähren.

Würde August Engelhardt heute einen Edeka- oder Rewe-Markt besuchen – er würde Luftsprünge machen vor Glück. Denn was gibt es dort im Getränkeregal? Kokoswasser! In fast allen Farben und Formen.

Als kleine Verneigung vor Engelhardts Weltverbesserungsplänen habe ich ein paar davon ausprobiert:

Da wäre zunächst goco Kokoswasser. Kommt im metallic-blauen Tetrapack daher, schmeckt sehr frisch. Gibt’s schon länger in Deutschland zu kaufen. Und beim googlen stelle ich fest: Ich hatte selbst schon mal über dieses Wasser gebloggt. Weiterlesen