Dave Eggers: The Circle

 

Lese gerade „The Circle“ von Dave Eggers. Eine der heißesten Neuerscheinungen des Jahres, wurde rauf und runter besprochen und ist in der Spiegel Bestseller-Liste schon auf Platz 1.

Ich lese das Buch auf meinem iPad, was sich in diesem Fall ein wenig komisch anfühlt – denn schließlich steht das Tech-Unternehmen The Circle für Apple, Google, Facebook und Co. Und diese Unternehmen kommen als totalitäre Horror-Unternehmen rüber, die sich Regierungen gefügig machen und die Menschheit überwachen. Natürlich immer mit den besten Absichten. Wenn der Circle zum Beispiel Kindern Tracking Chips einpflanzt, dann mit der guten Intention, Entführungen zu verhindern. Was auch gelingt. Allerdings bleiben die Kinder auch als Erwachsene auf ewig trackbar, da der Chip nicht mehr herausgenommen wird. Weiterlesen

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GELESEN: DIE GEHETZTE POLITIK

"Die gehetzte Politik", herausgegeben von Bernhard Pörksen und Wolfgang Krischke

Sind Politiker heute überhaupt noch handlungsfähig? Oder werden die gewählten Volksvertreter angesichts der Macht internationaler Finanzmärkte und digitalisierter Medien nur noch durch die Arena gehetzt und haben allenfalls eingebildete „Beinfreiheit“? Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen und der Journalist Wolfgang Krischke versammeln in „Die gehetzte Politik“ 27 Interviews mit Politikern, Journalisten, Wirtschaftsvertretern. Sie gehen der Frage nach, ob das Zeitalter der Postdemokratie angebrochen ist – oder ob die Schwarmintelligenz vielleicht eine neue Form des Parlamentarismus birgt.

Seit bald einem halben Jahrzehnt bestimmt die Banken- und Eurokrise den politischen Diskurs. Rettungspakete für Griechenland, möglicher Ausstieg aus dem Euro, Steuermilliarden zur Bankenrettung – diese Themen beherrschen die Schlagzeilen und werden es auf absehbare Zeit auch weiterhin tun. Weiterlesen

Digitale Durchstarter: Philipp Riederle erklärt seine Generation

 

"Wer wir sind und was wir wollen" erklärt Philipp RiederleIhre Finger wischen über Tablet und Smartphone, ihr Netzwerk ist groß – und nützlich: Die Jugend von heute hat moderne Kommunikationstechnologien mit der Muttermilch aufgesogen. Wer sie erreichen will, muss ihre Sprache sprechen und ihre Kanäle bedienen. Philipp Riederle, 19 Jahre jung, Unternehmensberater in Sachen neue Medien und Produzent des Podcasts „Mein iPhone und ich“ stellt in seinem Buch „Wer wir sind und was wir wollen“ die Generation der Digital Natives. Schnodderig im Ton, gelegentlich ein wenig trivial, insgesamt aber unterhaltsam und inspirierend.
Von „wir“ und „ihr“ spricht Philipp Riederle. „Wir“, das ist die Jugend von heute, das sind die Digital Natives. Mit „ihr“ spricht der gerade-mal-Abiturient seine Leser an – die „Erwachsenen“, wie er sie auch bezeichnet. Im besten Fall sind das Digital Immigrants – im schlechteren Fall Gesinnungsgenossen von Neurowissenschaftler und Buchautor Manfred Spitzer, die der Jugend „digitale Demenz“ vorwerfen. Philipp Riederle ist angetreten, seine Generation zu verteidigen.

Zusammengefasst klingt das dann so: Die Digital Natives sind besser vernetzt als jede Generation vor ihnen. Sie nutzen die Vorteile der Community. Sie tauschen sich aus. Sie fordern Transparenz. Sie informieren sich. Sie sind neugierig, engagiert und aktiv. Und das alles digital.

Riederles Wertewandel-These

Weil es die neuen Medien gibt – so Riederle – gelten für die Jugend von heute auch andere Werte. Statussymbole zählen nicht mehr, die junge Generation fordert Substanz statt schönen Schein. Autos spielen keine Rolle mehr. Digital Natives nutzen Carsharing Angebote im Internet oder fahren gleich mit der Bahn – da kann man während der Fahrt mailen, shoppen oder twittern und muss am Ziel keinen Parkplatz suchen. Auch Fernsehen ist für die Generation der Digital Natives megaout. Geschaut wird maximal online – gezielt ausgesucht und gestreamt. Gearbeitet wird hochmotiviert, unabhängig von Ort und Tageszeit, mit möglichst viel Sinn und Selbsterfüllung und nach dem Prinzip 24/7, also in ständiger Bereitschaft, aber bitteschön mit genug Zeit für Hobbies, Freunde und Familie.

Youtube, Twitter, Facebook, Online-Spiele, virtuelles Lernen, Plattformen für Privatunterkünfte oder Geschäftsideen – Riederle spricht alles an, was irgendwie Bestandteil der digitalen Welt ist. Wirklich neu ist das, abgesehen von dem ein oder anderen Link, zumindest für den Digital Immigrant eher nicht.

Neu ist der Ton: Provozierend und selbstbewusst, manchmal arrogant und ziemlich neunmalklug, zeugt er von einer Generation, die es scheinbar leid ist, von den ewig Gestrigen kritisiert zu werden.

Alles im Lot

Müssen wir Erwachsenen uns nun Sorgen machen, um diese Generation, die moderne Medien und ihre Möglichkeiten vollständig in ihr Leben integriert hat? Über Selbstversuche von Journalisten, eine Zeit lang offline zu gehen, das Handy abzuschalten und dann darüber zu berichten, kann Philipp Riederle nur müde lächeln: Seine Generation habe längst gelernt, die Grenzen zwischen Online- und Offline Leben klar zu setzen. Erwachsene hingegen würden das gerne vermischen, so dass er auch schon mal seine Mutter beim Essen bitten müsse: Mama, leg das Smartphone weg!

Wer den Ausführungen von Philipp Riederle folgt, kann am Ende nur zu einem Urteil kommen: Sollten seine Beschreibungen wirklich aussagekräftig für den Großteil und nicht nur eine Elite seiner Generation sein, können Leute wie Manfred Spitzer getrost aufhören, sich um die Jugend von heute Sorgen zu machen.

A propos Spitzer. Der könne, so erwähnt Riederle, sein Großvater sein. Aber nur was das Geburtsjahr betrifft. Denn: Gewidmet hat Philipp Riederle sein Buch seinem Opa, der ihn lehrte, die Welt zu begreifen…

Philipp Riederle: Wer wir sind und was wir wollen. 2013. Knaur TB, 272 Seiten, Taschenbuch 12,99 Euro/eBook 10,99 Euro. ISBN: 978-342678611-6/978-3-426-41991-5

ZUERST ERSCHIENEN IM PR REPORT

KRAFT, KOCKS, GABRIEL

Drei Personen des öffentlichen Lebens sind mir in letzter Zeit besonders durch ihre Social Media Aktivitäten aufgefallen. Hannelore Kraft, Sigmar Gabriel und Klaus Kocks. Die drei nutzen soziale Medien auf unterschiedliche Weise, mit unterschiedlichem Erfolg und unterschiedlich clever.

Ladies first: Hannelore Kraft twittert seit dem 20. März, also ziemlich genau seit Beginn des Wahlkampfs NRW.

Der erste Tweet lautete: „Tag beginnt um 5:30 mit 1,5 h Sport Ausdauer- und Aufbautraining. Anschließend Frühstück mit meiner Mutter. Dann Abfahrt nach Düsseldorf.“

Der zweite Tweet las sich so: „Habe jetzt Hunger. Kurzes Mittagessen. Danach Pressestatement und Kabinett.“

Wenn Hannelore Kraft eigenhändig in die Tasten haut, unterzeichnet sie mit HK, ansonsten steht TK – für Team Kraft dahinter. Manchmal ist man sich nicht einig, wer getwittert  hat  – wie zum Beispiel der Tweet vom 30. März um 4.17 Uhr „Zitat“, dann steht kein Kürzel dahinter.

Frau Kraft protokolliert in erster Linie ihren Arbeitstag. Mitunter gibt sie auch eine Meinung zur Tagespolitik von sich, aber das steht im Hintergrund. Man mag das als belanglos abtun, aber mir gefällt, dass sie nicht tut als sei Twitter eine Laser-Wunder-Kanone, mit der sie Obama-mäßig den Pott aufmischen wird. Sie macht aus Twitter nicht mehr als einen Kurznachrichtendienst. Und in ihren Tweets macht sie auch nicht mehr als eine NRW-Ministerpräsidentin im Wahlkampf. Reicht ja beides.

Natürlich könnte sie auch einfach ihren Terminkalender auf ihre Webseite stellen. Aber den würde sich kaum einer anschauen, wohingegen sie bei Twitter 3.500 Follower hat.

Ganz anders Sigmar Gabriel. Gabriel betreibt eine Facebook-Fanseite mit mehr als 10.000 Fans. Diesen nutzt er seltener als Kraft ihren Twitter Account, aber er ist schon ziemlich rege. Hauptaktivität: Sich selbst loben und den politischen Gegner als ahnunglos beschimpfen .

Seine Postings lesen sich zum Beispiel so:

„blablabla  unfassbar, dass der CDU- Bundesfinanzminister Schäuble „Verständnis“ für die Schweizer Behörden äußert blablabla….“

oder so

„blablabla Die Sozialdemokratie ist bereit, den Fiskalpakt so zu gestalten, dass er wirksam wird. blablabla….“

oder so

„Blablabla nach dem Ausstiegsbeschluss scheint die Merkel-Koalition ihre Arbeit eingestellt zu haben blablabla….“

Natürlich gab es auch den berühmten „Israel = Apartheits-Regime“ Kommentar. Aber dass es Gabriel über Facebook  in die Tagesschau schafft, ist die Ausnahme.

Okay, man kann Gabriels Postings natürlich auch gut finden. Das Hauptproblem besteht meiner Ansicht nach darin, dass Facebook ein Dialogmedium ist. Hier sollen die Fans und Freunde Frage stellen, eine Diskussion soll in Gang kommen, die Beziehung zwischen Kunde und Marke am köcheln gehalten werden.

Kommentare bei Facebook sehen blöd aus, wenn keiner auf sie reagiert. Da sich aber sehr häufig entweder Parteifreunde mit Schulterklopfen oder aber politsche Gegner mit „Wie-blöd- ist-der denn?!“ zu Wort melden, sind die „Diskussionen“ in den Kommentarspalten in der Regel bestenfalls belustigend, im Grunde aber ein Hinweis darauf, dass Facebook nicht das Format für eine sachliche politische Diskussion ist. Nicht selten eskalieren die Diskussionen wie bei einem Justin Biber Clip auf Youtube. Dort hauen sich Justin-Fans und Justin-Hasser regelmäßig verbal die Köpfe ein.

Außerdem: Gabriel „gefallen“ ausschließlich Seiten der SPD – entweder von einzelnen Politikern, oder Landesverbänden. (Sogar bei Andrea Nahles hat er „Gefällt mir geklickt, haha). Schade. Wenn er nicht-politische Seiten liken würden – seien es Hannover 96, Udo Lindenberg oder Sahnetorte – wäre er deutlich interessanter.

Vielleicht darf man die Seite auch so verstehen, dass ein künftiger Kanzlerkanditat vor allem auf Fehler-Vermeidung bedacht ist.

Und dann ist da noch Klaus Kocks. Kein Politiker, sondern Kommunikationsberater. Um eine pointierte Meinung zum politischen Zeitgeschehen nie verlegen. Interessant, dass Klaus Kocks auf Facebook kein Fan von Sigmar Gabriel ist, obwohl sie im wahren Leben Freunde sind.

Kocks erweist sich auf Facebook als wahre Laberbacke. Nein, das muss ich zurück nehmen. Kocks gibt zwar viel von sich und das oft. Mehrmals am Tag. Aber immer interessant und gehaltvoll. „Eloquent“ passt also viel besser als „Laberbacke“. Sorry.

Kocks meldet sich mit Aufsätzen, langen Kommentaren zu Schlecker, Wulff, Piraten, Grass etc. Dazu kommen Gedichte (nicht selbstgeschrieben), Reisenotizen, Leseempfehlungen, Fotos aus Bars, Tipps zu Kulinarik und Uhrenkauf. Als Kommunikationsberater hat man offenbar zu allem eine Meinung. Und viel Zeit für Facebook.

Seine beste Zeit hat KK Sonntag morgens ab fünf Uhr. Nicht mal am Ostersonntagmorgen vor Sonnenaufgang konnte er das Posten lassen. Und während Sigmar Gabriel  Kommentare einfach laufen lässt, diskutiert KK dort immer kräftig mit, antwortet, klickt gefällt mir.

Vielleicht leidet Kocks an Schlafstörungen. Vielleicht ist er facebooksüchtig. Vielleicht auch ein vierzig Jahre zu früh geborener Digital Native, der automatisch alles postet, was er denkt und tut.

Auf jeden Fall ist bemerkenswert, dass KK offenbar Tag und Nacht bei Facebook rumhängt. Ich will daher einfach mal die These aufstellen,  dass KK seinen Account nicht selber pflegt.  Es scheint mir wahrscheinlich, dass er ein paar Mitarbeiter posten lässt. Alles andere wäre einfach Quatsch: KK hat weniger als 4000 FBK Freunde. Wenn er in einer Talkshow auftritt – was er ständig tut – erreicht er mehrere Millionen Menschen. Da wird er sich bei FBK nicht für ein paar Zerquetschte abrackern.

Wahrscheinlich  nutzt er Facebook zur Persönlichkeitserweiterung. Facebook als Forum, um seine Bildungsbürger Seite  zu zeigen. Sehr her, ich kann auch Latein! Und zitiere Schiller! Nicht, dass der Krawallmacher aus Maischberger alleine in der Öffentlichkeit steht.

Ist nicht dumm, auf jeden Fall besser als Sigmar Gabriel, der nur den digitalen Aufguss des Talkshow-Gabriel gibt.

Am besten aber gefällt mir Hannelore Kraft mit ihrer unbekümmerten Art.

PS.: 9 Mai 2012: Den Twitter Account vom künftigen Kanzler finde ich tatsächlich gut, ganz außerordentlich sogar!

PINTEREST

In der Netzwirtschaft der FAZ gibts heute einen Artikel über Pinterest: Die Foto-Plattform gilt derzeit als das nächste ganz heiße Ding im Social Web. Nun aber gibt‘s Schwierigkeiten. Die User pinnen nämlich Bilder, ohne sich dabei groß um das Urheberrecht zu scheren

Pinterest bietet daher nun ein Programm an, dass es Seiten mit urheberrechtlich geschütztem Material erlaubt, die Bilder für Pinterest unbrauchbar zu machen. Blöd für Pinterest, dass Flickr und Yahoo sofort davon Gebrauch gemacht haben. Nun lassen sich Flickr und yahoo Bilder nicht mehr pinnen, jedenfalls nicht wenn sie urheberrechtlich geschützt sind. Das könnte ein ziemlicher Setback für Pinterest werden, so die FAZ.

Was ich an Pinterest derzeit so interessant finde: Natürlich wird die Plattform oft mit Facebook verglichen. Nicht, weil sie eine ähnliche Funktion hat, sondern weil nun einmal jeder neue Shooting Star irgendwie an fbk gemessen wird. Und ich finde Pinterest macht eine deutliche Schwäche der Zuckerberg-Plattform so richtig deutlich. Pinterest sieht nämlich richtig gut aus, was die Hässlichkeit von fbk umso augenscheinlicher macht. fbk-Design war schon immer eher form follows function. Aber wenn ich das jetzt noch einmal neben Pinterest (oder auch zum Beispiel neben der ähnlichen Plattform thefancy.com) halte, wird es offensichtlich, wie unansehnlich Facebook ist.

Was vielleicht daran liegt, dass Mark Zuckerberg ein Kapuzenpulli-Nerd ist, der sich um Aussehen nicht so sehr kümmert. Die Chronik bzw. Timeline bietet mitterweile sicher ein paar Möglichkeiten, mehr aus der Seite zu machen. Aber die normale Newsfeed Ansicht, mit den immer aufdringlicher werdenden Anzeigen ist wirklich nicht schön.

Interessant dagegen, wenn man sich Pinterest Gründer Evan Sharp daneben anschaut: Sorgfältig getrimmter Drei Tage Bart, Designer Brille, weißes Hemd, schwarzes Anzug. Wahrscheinlich ist Sharp ein Nerd, aber einer mit Sinn für Stil, jedenfalls mit mehr davon als Mark Zuckerberg.

Hat BILD im Blog von Richard Gutjahr geklaut?

Kaum hatte ich den Lobgesang auf Richard Gutjahrs Blog verfasst, da springt auch schon Deutschlands dünnste Tageszeitung darauf an: Am 29. September hat Bild die Story auf der Titelseite, die Gutjahr ein paar Tage zuvor gebracht hatte: Student Max Schrems hatte Facebook gezwungen, die über ihn gespeicherten Daten rauszurücken.

Vier Tage vorher hatte Richard Gutjahr die Story als erster gebracht. War das jetzt geklaut von der Bild? Weiterlesen