Marketing meets Mark Aurel

 

Holiday

Antike Philosophie, heruntergebrochen auf Kalenderblatt-Sprüche:  „Dein Ego ist Dein Feind“ von Ryan Holiday. 

Auf der einen Seite die antike Philosophie des Stoizismus; auf der anderen Seite modernes, provokantes Marketing – das will auch auf den zweiten Blick nicht gut zusammen passen. Doch der 29-jährige Amerikaner Ryan Holiday bringt beide Themen mühelos zusammen.

Bekannt wurde Ryan Holiday mit Anfang 20. Er dirigierte unter anderem das Marketing und die PR für das Modelabel American Apparel. In seinem Buch, „Trust Me I am Lying“ (2013 – darüber hatte ich hier schon mal was geschrieben), gab er einige ethisch fragwürdige Marketing-Tricks zum Besten und landete einen Bestseller. Heute ist er nicht nur ein gefragter Berater sondern auch erfolgreicher Speaker. Wer sich einen aktuellen Talk anschauen will: Hier tritt Holiday bei Google auf. Schlimm an dem Video ist allerdings die Tonqualität. Fast schon witzig, dass die eine globale Tech-Company wie Google das nicht besser hinbekommt. Aber ich schweife vom Thema ab.

Ryan Holiday: Dein Ego ist dein Feind

Holiday jüngstes Buch „Dein Ego ist dein Feind“ ist nun aber nur am Rande ein Buch über Marketing – in erster Linie geht es um die Lehren, die der Autor aus den antiken Schiften von Seneca, Marc Aurel und anderen gezogen hat. Diese alten Denker vertraten die Auffassung, man solle sich bei seinen Handlungen nicht von seinen Affekten leiten und beherrschen lassen. Sie stehen für eine auf Gelassenheit ausgerichtete Lebensführung, bei der man sich selbst nicht so wichtig nehmen sollte. Mithin: Stoische Gelassenheit.

Es ist nicht Holidays erstes Buch über Stoizismus – bereits sein „The Obstacle is the Way“ aus dem Jahre 2014 verkaufte sich 200.000 Mal.

Witz, Dramaturgie und viel Storytelling

Holiday gehört mit Autoren wie Tim Ferriss, Robert Greene, Neil Strauss und anderen zu einer Gruppen von Schreibern, die ziemlich originell und sehr erfolgreich über Selbstoptimierung für die „Generation Internet“ schreiben.  Bücher für ein smartes,  von Listicles und Youtube-Videos geprägtes Publikum, mit Witz, Dramaturgie und viel Storytelling.

In „Dein Ego ist Dein Feind“ geht es nun darum, dass es ausgerechnet das eigene Ego ist, welches einem häufig den Weg zum Erfolg versperrt. Zwar sei nichts gegen ein gesundes Selbstwertgefühl einzuwenden. Aber Ego ist dann der Feind, wenn „Selbstsicherheit in Arroganz umschlägt, Entschlossenheit in Halsstarrigkeit und Selbstbewusstsein in rücksichtslose Herrschsucht“, zitiert Holiday einen Football-Coach.

Aufstieg. Erfolg. Scheitern.

Das Buch ist in drei Teile aufgeteilt: Aufstieg. Erfolg. Scheitern. Die drei Teile bestehen wiederum jeweils aus 10 Kapiteln. So war bereits „The Obstacle ist the Way“ aufgeteilt. Gut lesbar ist das Buch dadurch in jedem Fall und man kann es auch einfach irgendwo aufschlagen und loslesen.

Holiday beschreibt wie das in Ego in allen drei Phasen – Aufstieg, Erfolg, Scheitern – der eigene schlimmste Feind sein kann.

Beispiel Aufstieg: Die Schriftstellerin Emily Gould wollte eigentlich einen Roman verfassen. Stattdessen prokrastinierte sie ein Jahr lang in sozialen Medien, tumblete, tweetete und scrollte. Sie redete, statt zu handeln, weil ihr Ego nach Likes und Herzchen gierte.

Beispiel Erfolg: Der Inhaber der Firma Beanie Babies, Ty Warner, verkündete auf dem Höhepunkt seines Erfolges: „Ich könnte das Ty Herz auf Kuhscheiße dekorieren und die Leute würden es kaufen.“ Wie sich kurz darauf herausstellte, war das eine schreckliche Hybris und Selbstüberschätzung im Angesicht des damaligen Erfolgs von Beanie Babies – das Unternehmen ging kurze Zeit später Pleite.

Beispiel 3: American Apparel Gründer Dov Charney. Nach Millionen Verlusten und diversen von Charney verursachten Skandalen (u. a. wegen Anklagen wegen sexueller Belästigung) stellte das Unternehmen Charney vor die Wahl: Rücktritt als CEO und Tätigkeit als Berater fürs Unternehmen. Oder Rausschmiss. Charney lehnte beides ab und strengte dagegen selbst einen Prozess gegen die Mode-Firma an.  Ergebnis: American Apparel wurde an Rand des Bankrott getrieben, ebenso wie Charney selbst. Charney hat alles verloren, weil er über sein eigenes Ego stolperte. Das jedenfalls ist Holidays Lesart.

Angela Merkel ist auch dabei

Es gibt zahllose kurze Geschichten mit kleiner Moral in dem Buch. John Rockefeller bekommt seinen Auftritt ebenso wie der Kleine Prinz. Der Maler Edgar Degas und der Dichter Stephané Mallarmé treten auf. Von Henry Ford gibt es eine Anekdote und von von Malcolm X. Angela Merkel ist auch dabei.

Die vielen kleinen Stories haben ihren Unterhaltungswert. Aber irgendwann fragt man sich, ob das nicht alles reichlich trivial ist? Ist es nicht klar, dass wir für unseren Erfolg in aller Regel auch hart arbeiten müssen? Dass wir nicht abheben sollten, wenn wir es geschafft haben? Oder dass Rachegefühle und Affekte im Allgemeinen schlechte Ratgeber sind? Damit unterscheidet sich Holiday bei diesem Buch von seinem Mentor Robert Greene, der in seinem Buch „Die 48 Gesetze der Macht“ ebenfalls zahllose historische Stories erzählt, aus diesen aber viel konkretere Handlungsmaximen ableitet.

Hinzu kommt, dass Holidays einen so repetiven Schreibstil hat, dass man den Eindruck gewinnt: Für einen Artikel bei der Huffington Post hätte die Idee sicher ausgereicht. Aber ein ganzes Buch für  diese dünne Idee?

Die Frage, ob es der wahrer Stoizismus ist, den Holiday hier serviert kann man im Übrigen getrost verneinen. Holiday serviert eine auf gefällige Zitate reduzierte Wohlfühl-Philosophie. Für alle, die keine Zeit haben, das Buch zu lesen, fass die ich die wichtigsten Botschaften wie folgt zusammen: „Bescheidenheit ist eine Zier“, „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ und „Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß“ gesetzt. Nach persönlichem Gusto kann man noch ein paar weitere volkstümliche Kalenderblatt Sprüche ergänzen.

Eine Positive Sache kann ich dem Buch abgewinnen

Immerhin, um dem Werk noch etwas Positives abzugewinnen: Das Buch trifft  vielleicht den Zeitgeist und jedenfalls einen Teil davon. Schließlich ist der amtierenden amerikanischen Präsident ein Mensch mit großem Ego, aber mit  geringem Selbstwertgefühl. Nun liest POTUS bekanntlich keine Bücher, sonst müsste man ihm „Dein Ego ist dein Feind“ dringend empfehlen.

Für alle anderen gilt: Wer ein paar nette historische Geschichten lesen will und mal wieder daran erinnert werden möchte, dass man seine Arbeit und vor  allem sich selbst nicht allzu wichtig nehmen sollten – der kann dieses Buch gut lesen. Dass das Buch so langlebig ist, wie die Schriften der Stoizisten, will ich bezweifeln.

Ryan Holiday: Dein Ego ist Dein Feind.  Erschienen im FinanzBuchverlag, Juni 2017 19,99 Euro

 

Katjes vs Haribo, Teil 4: Süß-saure Bärchen-Pärchen

Wir schreiten Hand in Hand: Die Bärchen-Pärchen von Haribo

Wir schreiten Hand in Hand durchs Gummibärenland: Die Bärchen-Pärchen von Haribo

Was Neues von Haribo: Hand in Hand kommen die neuen „Bärchen-Pärchen“ daher. Zwei Gummibärchen-Lookalikes. Das eine Süß, das andere Sauer. Laut Haribo das erste Produkt der Bonner Süßwarenhersteller, das süßes und saures Fruchtgummi vereint. Und für mich der Beweis, dass der Erfindungsreichtum des Unternehmens nicht tot zu kriegen ist. Auch ohne den 2013 verstorbenen Hans Riegel.

Die Stärke von Haribo lag für mich immer in der Vielfalt und der Fähigkeit, neue, originelle Produkte auf den Markt zu bringen. Kinderspielzeug zum Essen. Süßigkeiten, die eine Geschichte erzählen.

Der Gaga-Name „Bärchen-Pärchen“ kriegt von mir eine plus mit Sternchen. Das ist comichaftes Storytelling auf höchstem Niveau. So macht man die Melange aus Zucker, Aromen und Gelatine richtig schmackhaft. Weiterlesen

50 Jahre Nutella: Nutella Stories

Nutella wird 50 Jahre jung und dazu hat sich Ferrero die Aktion nutella Stories ausgedacht. Die Webseite dazu sieht wirklich gut aus. Die Aktion selber ist nicht gerade super originell, passt aber bestens zur Marke und ist sehr hübsch umgesetzt. User können ihre Nutella Story in Form von  Bild, Video oder Text hochladen.  Also alles drin, was modernes Marketing für Lebensmittel ausmacht: Content, Storytelling, Crowdsourcing. Was vielleicht fehlt: Der in diesem Jahr allgegenwärtige Hinweis auf den „Karnickel-Jahrgang“ 1964, aber was solls.

Meist geht es bei den nutella stories natürlich um Kindheitserinnerungen die man mit der Schokocreme verknüpft. Beim Stöbern in den Geschichten kann man sich den Spaß machen und in der seiteneigenen Suchmaschine den Begriff „Scheiße“ eingeben. Da kommen dann auch 2 Stories.

Ich selber kann daher nichts dazu beisteuern – bei uns zuhause war nutella verboten. Ich mochte es früher ohnehin nicht sonderlich gern. Der einzig akzeptable Brotaufstrich für mich als Kind war sonderbarerweise lange Zeit Butter. Auf den nutella Geschmack bin ich erst Mitte 20 gekommen – als ich damals aufhörte zu rauchen hatte ich das dringende Bedürfnis nach Zucker, viel Zucker und kam auf den nutella Geschmack. Anyways, die Webseite sieht wie gesagt wirklich gut aus, das 50-Jahre-Glas hat auch einen sehr passenden Retro-Look und ich mag mittlerweile nutella, alles bestens!